Unsere Lebensgemeinschaften in Sachsen Anhalt

Kurzbeschreibung einer Lebensgemeinschaft

haus2.jpgEine Lebensgemeinschaft (LG) ist eine Form der stationären Betreuung von Kindern/Jugendlichen.

Sie ist gekennzeichnet durch das kontinuierliche Zusammenleben von Betreuern und Kindern/Jugendlichen in einem familienähnlichen Rahmen und Beziehungsgefüge ohne Wechsel der Bezugspersonen.

Der Arbeitsplatz des Betreuers ist das „eigene Zuhause“, in dem die Betreuung stattfindet.

Für die dort lebenden Kinder und Jugendlichen ist die Lebensgemeinschaft ein Leben wie in einer Familie auf Zeit. Hierbei ist die eigene „Großfamilie“ der Betreuer selbstverständlich mit einbezogen.

In der Regel handelt es sich um eine mittelfristige/langfristige Hilfeform.

In der Lebensgemeinschaft können 2 bis 4 Kinder/Jugendliche (im Einzelfall auch 6) leben.

Die regionalen und örtlichen Gegebenheiten unserer Lebensgemeinschaften in Sachsen-Anhalt haben ländlichen Charakter mit viel Freiraum zum Spielen und Toben.

Zum Selbstverständnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Lebensgemeinschaften gehört

  • die Absicht und Planung eines langfristig angelegten Betreuungsmodells
  • sowie die Gewissheit und Akzeptanz, umfassende Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen übernommen zu haben
  • und der Ansatz, alle Alltagsprobleme und erzieherischen Anforderungen mit Unterstützung des Diakoniewerkes Jerusalem, angemessen bewältigen zu wollen.

Personelle Situation:

Wir arbeiten mit einem Personalschlüssel von 1 : 2.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen über pädagogische Qualifikationen wie Erzieher, Dipl. Sozialpädagoge, im Einzelfall auch mit Zusatzausbildungen.

In der Regel sind es Ehe- oder Lebenspartner, die eine Lebensgemeinschaft führen, von denen mindestens Einer – je nach Platzzahl - eine pädagogische Ausbildung nachweisen kann.

Im Einzelfall kommt von außen eine pädagogische Fachkraft hinzu.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Lebensgemeinschaft unterstehen der Fachaufsicht ihrer für sie zuständigen Bereichsleitung, die über regelmäßige persönliche Kontakte vor Ort und über Veranstaltungen im Diakoniewerk Jerusalem e.V. beratend, stützend und regulierend wirkt.

Rechtsgrundlagen:

In der Regel finden Aufnahmen nach dem Jugendhilferecht – SGB VIII – statt:

  • §§ 27/ 34 ; §§ 27/ 34, 35a ; §§ 27/ 42
  • §§ 41/ 34

In Einzelfällen können Aufnahmen auf der Grundlage nach §§ 53/ 54 SGB XII erfolgen. Hierzu werden Einzelvereinbarungen mit dem jeweiligen Kostenträger getroffen.

Zielgruppe/Indikation

Die Maßnahme ist notwendig und geeignet, wenn:

  • die Fremdplatzierung eines vornehmlich jüngeren Kindes längerfristig angezeigt erscheint.
  • bei älteren Kindern oder Jugendlichen das Bedürfnis nach Zuwendung, Nestwärme etc. noch stark ausgeprägt ist,
  • die Problembelastung des Herkunftsmilieus bei den Kindern und Jugendlichen zu vielfältigen und gravierenden Entwicklungsstörungen geführt hat,
  • wenn sie aufgrund kognitiver Einschränkungen und/ oder seelischer Beeinträchtigungen ein überschaubares kontinuierliches, enges und familiäres Beziehungsgefüge benötigen und aushalten können.
  • stabile Beziehungserfahrungen oder familiäre Bezüge in der Herkunftsfamilie fehlen.

Die Maßnahme ist nicht geeignet, wenn:

  • wegen erheblicher Beziehungsstörungen die Kinder und Jugendlichen ein (enges) familiäres Beziehungsgefüge nicht aushalten können,
  • eine kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtung akut angezeigt ist,
  • Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer Lebenserfahrung nicht in einer Familie leben wollen,
  • Eltern/ Elternteile die Betreuung ihres Kindes in einer „Familie“ als Konkurrenz erleben und das Kind in einen „Loyalitätskonflikt“ geraten würde.

Grundleistungen:

  • Notwendige Aufsicht, Betreuung und Pflege, Teilhabe an einem familiären Leben
  • Sicherstellung der alltäglichen Versorgung über einen eigenen finanziellen Haushalt
  • Religionspädagogische Angebote und Auseinandersetzung mit Wert- und Glaubensfragen
  • Schulische und berufliche Förderung, Gewährleistung von regelmäßigem Schulbesuch
  • Aktive Freizeitgestaltung, gemeinsame Urlaubsfahrten
  • Einbindung in das soziale Umfeld (sozialräumlicher Ansatz)
  • Einübung lebenspraktischer Fertigkeiten
  • Sozial-emotionale Förderung und die Anregung der Persönlichkeitsentwicklung
  • Förderung von Sozialkompetenzen zur angemessenen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
  • Entwicklungsdokumentationen, Erziehungsplanung und Erstellung von Entwicklungsberichten zur Hilfeplanung
  • Kontaktpflege zur Herkunftsfamilie
  • Aktivitäten in Hinblick auf die Zeit nach der Maßnahme

Zielsetzungen:

  • In der Regel eine mittelfristige/langfristige Förderung im konstanten, familiären Beziehungsgefüge – bis hin zur Entlassung in eigenen Wohnraum
  • Aufbau und Stärkung der personalen und sozial-emotionalen Kompetenz der Kinder und Jugendlichen
  • Individuelle Förderung und Entwicklung vor dem Hintergrund eines Verständnisses der individuellen Biographie und den individuellen Ressourcen des Kindes
  • Berücksichtigung der kindlichen Biographie mit den daraus resultierenden Grenzen und Möglichkeiten, Entwicklung realistischer Lebensperspektiven
  • Aufbau und Verbesserung der Lern- und Entwicklungschancen
  • Klärung der Beziehung zu der Herkunftsfamilie, Kontakterhalt und –Pflege soweit möglich und hilfreich und förderlich
  • Evtl. Rückkehr in die Herkunftsfamilie oder Verselbständigung zum Leben im eigenen Wohnraum.

Kontakt über Bereichsleitung:

Maike Roth
Bereichsleiterin
Tel.: 05821 - 9830-31
maike.roth@diakoniewerk-jerusalem.de